Expedition Pik Lenin 2008

Diashow

Nach einem halben Jahr Vorbereitungstress mit viel Organisieren und Trainieren war es im Juli 2008 soweit, unsere Reise zum Pik Lenin nach Kirgistan begann. Der Pik Lenin ist Grenzberg zwischen Kirgistan und Tadschikistan und befindet sich im Pamirgebirge. Wir, dass sind die beiden „Alten“ (Schwiegervater Bernhard und Dieter, Ulrike und Boxer, Heike und Andreas, Tine und ich). Wir flogen in die kleine Stadt Osch und von dort ging es dann mit einem Lkw 300 km über Stock, Stein und durch Flüsse zum Basislager auf 3600m. Vom Basislager zum Lager 1 konnte man sich das Gepäck von Pferden oder Mulis tragen lassen, doch der „blöde Ossi“ trägt selbst. Das war einerseits ganz gut, da man dadurch zweimal zum Lager 1 gehen musste und man sich besser akklimatisierte. Der Weg war allerdings sehr lang, ca. 20 km und ca. 1000 Höhenmeter, mit Flussdurchquerungen und langen Querungen über steile, rutschige Schotterfelder. Das Lager 1 ist so eine Art vorgeschobenes Basislager, dass sich auf einem sehr großen Gletscher befindet, der aus immer weniger Spalten besteht, weil die nach und nach mit Müll befüllt werden. Wir hatten uns für das Basislager und Lager 1 bei Asiatravel eingemietet und bekamen dort Zelte gestellt und gutes, russisches Essen von Swetlana. Leider hat uns gleich zu Beginn die Flitzkacke erwischt und wir tauften den ersten Pass zum Lager 1, den „Pass der Reisenden“ um in den „Pass der Scheißenden“. Als wir das Lager 1 erreichten, kam uns eine total verstörte Frau wie ferngesteuert entgegen und wurde am nächsten Tag auf einem Pferd ins Tal gebracht. 1 Tag später erfuhren wir, dass sie sich ihre Finger und Zehen erfroren hatte und ihre Freundin am Gipfel verschwunden war und bis jetzt vermisst wurde.

Leider wurde Heike im Lager 1 höhenkrank, so dass Heike und Andreas absteigen mussten. Boxer stieg mit ihnen ins Basislager ab, um sich zu erholen, da er ebenfalls krank war. Als wir das erste mal zum Lager 2 aufbrachen, saßen früh in unserer Jurte drei verstörte Iraner, einer mit gebrochenem Arm. Die waren nachts abgestiegen und in eine riesige Spalte gefallen. Durch großes Glück fielen sie auf eine Gletscherbrücke. Auf der Route zum Lager 2 durchquert man einen gigantischen Eisbruch, dort fanden wir auch die Rucksäcke der Iraner. Leider erreichten wir beim ersten Aufstieg das Lager 2 nicht und mussten ein Gepäckdepot machen. Unsere beiden „Alten“ waren schon besser akklimatisiert und übernachteten schon nach dem 2. Aufstieg im Lager 2 und bauten auch unsere Zelte mit auf. Ulrike, Tine und ich machten dann mit Boxer (der wieder aufgestiegen war) noch einen Aufstieg zum Lager 2, damit Boxer sich akklimatisieren konnte. Als wir schließlich die erste Nacht im Lager 2 verbrachten, waren wir sehr schockiert. Viele Leute haben wenig Zeit, viel Geld bezahlt und wollen dann unakklimatisiert hoch. Da kommt es dann schon mal vor, das einer so extrem höhenkrank wird, dass er überhaupt nicht mehr weiß, was oben und unten ist und sich wie sturzbetrunken verhält. Das Problem ist nur, dass so jemand dann sofort hinunter muss, doch das ist nicht so einfach, wenn man sich auf allen Vieren fortbewegt.

Ulrike wurde dann leider auch höhenkrank und Boxer hatte immer noch Durchfall. Und in diesem Lager 2 wurde man den auch nicht los, da überall zwischen den Zelten Müll lag und die Leute für ihr „Geschäft“ nicht immer zu den dafür vorgesehenen Plätzen gingen. Und irgendwo dazwischen, lag die Quelle zum Wasserholen. Als Ulrike und Boxer abstiegen, fanden sie einen Totenschädel (wahrscheinlich von dem großen Unglück von 1991), an dem noch recht viel dran war. Als sie das unserem russischen Arzt im Lager 1 erzählten, meinte der nur, „Normalny“.

Wir fühlten uns nach 2 Tagen im Hochlager immer noch ganz schön schlapp und hatten Kopfschmerzen. Die beiden „Alten“ bauten Lager 3 auf und probierten den Gipfel. Leider ging bei ihnen alles schief, Wetter sehr schlecht, Kocher kaputt, Zelt undicht und schließlich war dann die Moral weg. Als die Beiden wieder hinunter kamen, stiegen Tine und ich ins Lager 3 auf. Die letzten 300 Höhenmeter ging’s ein 40° Steilstück hinauf. Immer 10 Schritte und dann musste man sich auf dem Pickel abstützen und pausieren. Das Lager 3 liegt auf 6100 m und befindet sich nur 30 m unterhalb des Vorgipfels Pik Rasdelnaja. Dort befanden sich nur noch ca. 15 Zelte und eine fantastische Aussicht. Das Wetter wurde besser und wir hatten einen genialen Sonnenuntergang.

Am nächsten morgen 5:00 Uhr ging’s zum Gipfelangriff. In den letzten 5 Tagen hatten wir leider keine Zeit mehr für einen Ruhetag und der Körper konnte sich nicht mehr erholen, darum blieb Tine im Lager 3 und machte einen Spaziergang bis auf 6300 m. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte sie es bestimmt auch probiert. Bei ca. –15° und sehr starken Sturm musste ich ca.6:00 Uhr aufs Klo, dabei merkte ich wie kalt es war. Hätte ich nicht die guten Schuhe gehabt, die mir Niles gesponsert hat, dann hätte ich sicherlich aufgegeben. Denn selbst in den Schuhen waren meine Zehen kalt. Das Problem ist, dass man nicht einfach schneller gehen kann, weil man so fertig ist. Ich ging mit ein paar sehr netten Bayern, einem Österreicher und zwei Schweizern zum Gipfel. Eigentlich wollte ich schon nach 2 h nicht mehr weiter, weil ich so langsam und kaputt war. Doch unsere neuen Bergfreunde meinten, dass sie auch kaputt sind und dass wir gut in der Zeit liegen würden. Nach dem 2. Steilstück war der Gipfel zum Greifen nah. Doch das täuscht. Für die letzten 200 Höhenmeter brauchten wir noch mal 2-3 h. Doch dann wurden wir um 14:15 Uhr mit dem Gipfel und einer fantastischen Aussicht vom Tian-Shan bis zum Karakorum belohnt. Der Abstieg im tiefen Schnee war auch nicht gerade leicht. 16:00Uhr kamen uns noch ein paar Leute entgegen, denen wir erklärten, dass es zu spät sei. Bis auf einen Tschechen kehrten alle mit um. Er wurde dann erst am nächsten Tag von den nächsten Gipfelangreifern gefunden. Seine Nase war schon schwarz, der Arm gebrochen, die Hand schwarz und er hatte einen Schädelbruch. Fast alle die dort oben waren, haben mitgeholfen, ihn ins Lager 1 zu transportieren. Wir bekamen von dem Unglück erst beim Abstieg vom Lager 2, über Funk mit.

Vom Gipfel kamen wir so ca. 18:30 Uhr wieder zurück. Da konnte ich froh sein, dass Tine im Lager 3 Tee und Essen gemacht hatte. Denn ich war zu nicht mehr viel fähig. Selbst der Abstieg ins Lager 1 fiel mir sehr schwer. Im Lager 1 feierten wir dann mit der russischen Bergwacht und einer riesigen Truppe Iraner. Für die war ich ein Volksheld, da ich der Erste von unserem Lager auf dem Gipfel war und musste mit auf jedes Foto. Vielleicht bin ich ja jetzt schon beim CIA registriert? Es wurde Gitarre gespielt und natürlich viel Wodka getrunken. Gegen Mitternacht mussten die Russen aufsteigen und helfen, den verletzten Tschechen ins Lager 1 zu bringen. Ihre Ausrüstung ist allerdings sehr schlecht. Als Gamaschen hatten sie Klebeband und Licht hatten sie teilweise gar nicht. Wir gaben Ihnen wenigstens unsere Stirnlampe. Gegen 4:00 Uhr waren sie wieder da und wir hörten sie wieder Gitarre spielen, da die Nacht sowieso schon fast rum war. An diesem Tag musste wir ins Basislager absteigen, was noch mal unsere letzten Kräfte forderte. Dort trafen wir unsere „Alten“ wieder, die den 4850 m Pik Petrovsky bestiegen hatten.

Es war ein super Urlaub, aber jedes Jahr werden wir das wohl nicht machen.

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